Stress
Wir
leben in einer sehr individualisierten Gesellschaft. Jeder muss sich
seinen Platz selbst schaffen, er wird nicht länger in eine festgelegte
Rolle hineingeboren. Die Erwartungen an sich selbst und andere sind
damit gestiegen. Somit auch das Risiko, sie nicht zu erfüllen.
Wir leben heute gesünder denn je und gerade deshalb kann psychischer
Stress seine schädigende Wirkung vollständig entfalten.
Wir werden alt genug, um die Langzeitschäden chronischer Belastungen
zu erleben.
Stress stimuliert andererseits den Geist. Er erhöht die Ausschüttung
bestimmter Neurotransmitter, die dem Hippocampus, dem Pförtner
des Gedächtnisses, helfen, sich auf besonders relevante Informationen
zu konzentrieren. Es sei denn, wir gelangen an den Punkt, an dem sich
dieses Prinzip ins Negative verkehrt. Nicht nur dramatische Ereignisse
schlagen auf unsere Gesundheit, sondern auch alltägliche Probleme.
Chronisch erhöhte Cortisonwerte verhindern, dass die Stressantwort
wieder ordnungsgemäß herunterfährt. Der Daueralarm
schwächt das Immunsystem im Kampf gegen Krankheiten und in der
Abwehr neuer Infektionen. Der Energiehaushalt kann nachhaltig leiden
und begünstigt bestimmte Formen von Diabetes sowie Übergewicht.
Ein Anstieg von Blutdruck und Blutfettwerten fördert die Arterienverkalkung
und erhöht das Risiko für Durchblutungsstörungen und
Herzerkrankungen. Auch ein chronischer Cortisonmangel, möglicherweise
eine Erschöpfungs- bzw. Schutzreaktion wirkt sich negativ aus.
Er macht schmerzempfindlicher, begünstigt Gefühle von Angst,
des Ausgebranntseins und der Depression. Außerdem beeinträchtigt
er die Gedächtnisbildung, weshalb ein Zusammenhang zwischen Stress
und Demenzerkrankungen besteht.
Als besonders stressanfällig ist die so genannte "Typ A-Persönlichkeit"
identifiziert worden. Feindseligkeit, Zynismus, Wut, Reizbarkeit und
Misstrauen stehen im Verdacht, das Infarktrisiko um bis zu 250 Prozent
zu erhöhen.
Ausschlaggebend für die Gesundheit ist auch die Kontrolle über
das eigene Tun. Je weniger Optionen jemand hat, seine Arbeit eigenständig
zu bewältigen, und je mehr er den Entscheidungen anderer ausgeliefert
ist, desto höher sein Herzinfarktrisiko.
Morbus Alzheimer
Erste
Anzeichen für eine Alzheimerdemenz beginnt häufig schon
im frühen Erwachsenenalter. Zwischen „gesund“ und
„krank“ gibt es ein großes Kontinuum. Aber zum Ausbruch
der Krankheit kommt es erst dann, wenn alle Kompensationsmechanismen
zusammenbrechen, und das kann sehr lange dauern.
Zwei Areale werden besonders in Mitleidenschaft gezogen, die Frontal-
und Schläfenlappen sowie der Hippocampus. Dort degenerieren Hirnzellen.
Es bilden sich sog. Beta-4-Amyloide oder „Spaghettis“
aus, die man mit neuen bildgebenden Verfahren sichtbar machen kann.
Untersuchungen von Ex-Postmitarbeitern, die verstorben sind, konnten
belegen, dass bei den über 85jährigen Frauen 51 % Alzheimer
nachweisbar war. Bei Männern sind in diesem Alter 48 % betroffen.
Der wichtigste Faktor für den Krankheitsverlauf ist die Bildung.
Diejenigen, die ein Leben lang eine anspruchsvolle Tätigkeit
hatten und gleichzeitig auch eine hohe Schulbildung erworben hatten,
waren generell einem erheblich geringeren Risiko später Alzheimer
bekommen, ausgesetzt. Personen, die jeden Tag irgend was neues tun
mussten und nicht in Routine erstickten, waren eindeutig im Vorteil.
Nicht produktiv dagegen waren Routinetätigkeiten, TV-Konsum,
Lesen, die üblichen Gesellschaftsspiele und das Ausfüllen
von Kreuzworträtseln.
„SIMA“ ist die Abkürzung für „Selbstständig
im Alter“. In einer Studie sind 375 ältere Menschen mit
dem Mindestalter von 75 Jahren über 14 Jahre hin untersucht worden.
Es wurden nur absolut gesunde Personen in die Studie miteinbezogen.
Das Programm beinhaltete unterschiedlichste Maßnahmen, die ein
Jahr lang durchgeführt wurden, u. a. ein ausgefeiltes Gedächtnistraining
und ein differenziertes Psychomotorik-Training. Psychomotorik ist
nicht Sport, denn Sport bezieht sich normalerweise auf Kraft und Ausdauer.
Bei der Psychomotorik stehen im Mittelpunkt Wahrnehmung, Koordination
Körperwahrnehmungsübungen. Symptome, die im Vorfeld einer
Demenz auftreten, wurden durch das einjährige Training massiv
zurückgedrängt.
Führten die Teilnehmer die Übungen täglich fort, hielt
dieser Effekt über Jahre hinweg an. Es gezeigt werden, dass in
der Gruppe, in der sowohl das Gedächtnis- als auch das Psychomotorik-Training
durchgeführt wurde, die wenigsten Demenzen auftraten.
Offensichtlich lässt sich die Progression der Veränderungen
beeinflussen. Es geht dabei darum, die letzten Lebensjahren möglichst
selbstständig verbringen zu können.
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